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1,2 Millionen Euro für neue Binzer Feuerwache: Förderbescheid zum 129. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr – Neubau an der Proraer Chaussee rückt einen entscheidenden Schritt näher

Ein besseres Geburtstagsgeschenk hätte es für die Freiwillige Feuerwehr des Ortes heute wohl kaum geben können: Pünktlich zu ihrem 129-jährigen Bestehen erhält die Gemeinde Ostseebad Binz einen Zuwendungsbescheid über 1,2 Millionen Euro für den Neubau der Feuerwache an der Proraer Chaussee, der von Staatssekretär Heiko Miraß übergeben wurde.

Damit nimmt eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben der Gemeinde nun endlich Gestalt an. Die neue Feuerwache soll zwischen Gaskraftwerk und Kunstrasenplatz entstehen. In unmittelbarer Nachbarschaft plant auch das Deutsche Rote Kreuz den Neubau seiner Rettungswache, die derzeit noch im Gebäude des DRK-Pflegeheimes in der Mukraner Straße untergebracht ist.

Ein Projekt, das Binz seit vielen Jahren beschäftigt

Der Neubau einer zeitgemäßen Feuerwache ist in Binz keineswegs ein neues Thema. Seit rund 20 Jahren wird über die Notwendigkeit eines neuen Gerätehauses gesprochen. Zunächst wurden vorhandene Mittel jedoch vor allem in Fahrzeuge und moderne Technik investiert – nach dem Grundsatz, dass im Einsatz zunächst Fahrzeuge, Ausrüstung und vor allem die Menschen entscheidend sind.

Doch inzwischen stößt das bestehende Feuerwehrgebäude in der Margaretenstraße 2 deutlich an seine Grenzen. Die Grundsteinlegung der alten Wache erfolgte bereits 1978. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen und entspricht hinsichtlich Platzangebot und räumlicher Bedingungen nicht mehr den Anforderungen einer modernen Feuerwehr. Besonders deutlich wird die Situation in der Fahrzeughalle: Hinter vier Toren müssen insgesamt acht Fahrzeuge untergebracht werden, die teilweise hintereinanderstehen. Gleichzeitig sind moderne Einsatzfahrzeuge größer und schwerer geworden und benötigen entsprechend mehr Platz. Die vorhandene Gerätehalle ist damit für die heutige technische Ausstattung und die erforderlichen Sicherheitsstandards nicht mehr ausreichend. Die Kameradinnen und Kameraden kleiden sich zudem auf engstem Raum in einer kleinen Ecke der Halle um. Insgesamt ein unhaltbarer Zustand.

„Die neue Feuerwache beschäftigt Binz nicht erst seit gestern. Über Jahre wurde geplant, diskutiert und neu angesetzt“, so Bürgermeister Mario Kurowski. „Jetzt machen wir einen großen Schritt nach vorn und schaffen die Grundlage dafür, dass unsere Kameradinnen und Kameraden künftig unter zeitgemäßen Bedingungen arbeiten können.“

Feuerwehr leistet längst mehr als reine Brandbekämpfung

Mehr als 200 Einsätze pro Jahr bewältigt die Freiwillige Feuerwehr Ostseebad Binz. Dabei reicht ihr Einsatzgebiet auch über die Gemeindegrenzen hinaus. So standen sie jüngst bei dem Großbrand in Baabe den ganzen Tag ihren Kolleginnen und Kollegen der benachbarten Wehren zur Seite. Und längst geht es bei den Einsätzen nicht mehr ausschließlich um die klassische Brandbekämpfung. „Die Feuerwehr ist heute ein vielseitiger Hilfeleister: Verkehrsunfälle und andere technische Hilfeleistungen gehören ebenso zum Einsatzspektrum wie Unwettereinsätze, Tragehilfen für den Rettungsdienst oder das Ausleuchten von Landeplätzen für Rettungshubschrauber“, berichtet Wehrführer Alexander Schnitt. Daniel Hartlieb, jahrelanger Wehrführer und zuständige Mitarbeiter für Brand- und Zivilschutz sowie die Feuerwehr in der Gemeindeverwaltung, fasst es in einen Satz: „Feuerwehr ist für mich die Champions League des Ehrenamtes.“

Die Freiwillige Feuerwehr Binz zählt insgesamt 66 Mitglieder, einschließlich Kinder- und Jugendfeuerwehr sowie Reserve. Sie steht damit nicht nur für Gefahrenabwehr, sondern auch für Nachwuchsarbeit, Gemeinschaft und ehrenamtliches Engagement. Bürgermeister Mario Kurowski zollt diesem Ehrenamt besonderen Respekt: „Seit 129 Jahren stehen hier Menschen freiwillig auf und rücken aus, wenn andere Hilfe brauchen. Generationen von Kameradinnen und Kameraden haben Verantwortung für Binz übernommen. Dieses Engagement kann man mit keinem Förderbescheid bezahlen. Aber wir können dafür sorgen, dass diejenigen, die für uns da sind, vernünftige Bedingungen für ihre Arbeit bekommen.“

Eine besondere Herausforderung im größten Ostseebad

Die Anforderungen an die Binzer Feuerwehr lassen sich zudem kaum allein anhand der Einwohnerzahl bemessen. Knapp 6.600 Einwohnerinnen und Einwohner leben dauerhaft im Ostseebad. Hinzu kommen jährlich fast drei Millionen touristische Übernachtungen, zahlreiche Tagesgäste sowie zusätzliche Besucher bei großen Veranstaltungen wie der Pier Session oder dem Silvesterfeuerwerk.

Wie stark die Zahl der Menschen, für deren Sicherheit die Feuerwehr im Ernstfall zuständig ist, innerhalb kürzester Zeit steigen kann, zeigt beispielsweise ein Osterwochenende: Während am Gründonnerstag noch für rund 10.000 Menschen Schutz gewährleistet werden muss, können es bereits am Karfreitag rund 30.000 Menschen sein – zuzüglich der Tagesgäste.

„Wenn etwas passiert, fragt unsere Feuerwehr nicht, ob jemand Binzer oder Urlauber ist“, betont Kurowski. „Deshalb kann der Brandschutz in einem Tourismusort wie Binz nicht ausschließlich anhand der Einwohnerzahl betrachtet werden.“

Antrag im April gestellt

Grundlage für die jetzt bewilligte Förderung ist ein Projektaufruf zur Förderung von Feuerwehrgerätehäusern mit mindestens drei Stellplätzen sowie weiterer Feuerwehrinfrastruktur. Die Gemeinde Ostseebad Binz hatte ihren Antrag im April 2026 beim zuständigen Ministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingereicht.

Bereits zuvor war eine Sonderbedarfszuweisung in Höhe von 500.000 Euro in Aussicht gestellt worden, für die die Gemeinde bereits 2023 einen Antrag gestellt hatte. Da eine Kombination beider Förderungen ausgeschlossen ist, kommt diese Sonderbedarfszuweisung mit der nun gewährten Förderung nicht zusätzlich zum Tragen. Stattdessen erhält die Gemeinde nun 1,2 Millionen Euro aus dem aktuellen Förderprogramm.

Für Bürgermeister Mario Kurowski ist der Bescheid deshalb auch das Ergebnis intensiver Gespräche und gemeinsamer Arbeit. „Dass wir heute diesen Förderbescheid über 1,2 Millionen Euro in den Händen halten, war keineswegs selbstverständlich“, sagt Kurowski. „Als ich das Amt übernommen habe, war für mich klar: Wir können lange darüber reden, was vorher versäumt wurde. Oder wir krempeln die Ärmel hoch und versuchen, das Ding noch zu drehen. Genau das haben wir gemacht.“

Ausdrücklich dankt der Bürgermeister der Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern und Heiko Miraß für die Unterstützung auf dem Weg zur Förderung. „Heiko Miraß hat ganz maßgeblich dazu beigetragen, dass wir überhaupt noch einmal eine Chance bekommen haben. Er hat nicht nur zugehört, sondern sich gekümmert, Gespräche geführt und Türen geöffnet“, so Kurowski. Sein Dank gelte ebenso Innenminister Christian Pegel und dem Land Mecklenburg-Vorpommern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, die innerhalb kurzer Zeit die notwendigen Unterlagen, Berechnungen und Antragsunterlagen zusammengetragen und das Verfahren begleitet hätten.

„Politische Gespräche und offene Türen sind das eine. Danach muss jemand rechnen, Unterlagen zusammentragen, nacharbeiten, Fristen im Blick behalten und dafür sorgen, dass aus einer Möglichkeit am Ende tatsächlich ein Förderbescheid wird. Da ist in kurzer Zeit richtig viel geleistet worden.“

Ein Geburtstagsgeschenk mit Zukunft

Im Mittelpunkt stehen an diesem Tag für den Bürgermeister jedoch die Kameradinnen und Kameraden selbst. „129 Jahre Feuerwehr Binz bedeuten 129 Jahre Ehrenamt, Einsatzbereitschaft und Verantwortung für andere. Deshalb passt dieser Tag für mich so gut zusammen: Wir feiern 129 Jahre Feuerwehr Binz und gleichzeitig machen wir einen großen Schritt in ihre Zukunft.“

Bei der Feuerwehr selbst ist die Freude über die Förderung entsprechend groß. Nach vielen Jahren, in denen über einen Neubau gesprochen wurde, sei es angesichts der räumlichen Situation und der stetig wachsenden Anforderungen „höchste Eisenbahn“, das Vorhaben umzusetzen. Mit dem Zuwendungsbescheid ist nun ein wesentlicher finanzieller Baustein für das Projekt gesichert. Der Neubau soll der Freiwilligen Feuerwehr langfristig die räumlichen und technischen Voraussetzungen bieten, die eine moderne Wehr in einem Tourismusort wie Binz benötigt. Und so fasst Bürgermeister Mario Kurowski den besonderen Tag mit einem Augenzwinkern zusammen: „Herzlichen Glückwunsch zum 129. Geburtstag. Die 1,2 Millionen Euro sind, würde ich sagen, ein ziemlich ordentliches Geburtstagsgeschenk. Jetzt müssen wir daraus nur noch eine Feuerwache machen.“

Bildunterschrift: Wehrführer Alexander Schnitt, Bürgermeister Mario Kurowski und Staatssekretär Heiko Miraß (v.l.n.r.) bei der heutigen Übergabe des Zuwendungsbescheides.

25.09.2026 Allgemein

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